HAARIGE GESCHICHTE

FRISUREN UND HAARTRACHTEN, INDIVIDUALITÄT UND GESELLSCHAFT DURCH DIE ZEIT

Wir kriegen uns in die Haare, fressen uns gegenseitig die Haare vom Kopf, finden ein Haar in der Suppe und raufen uns aus Ärger und Unverständnis oftmals auch eben jene. Doch nicht nur in der deutschen Sprache haben Haare einen festen Platz, sondern auch in der menschlichen Kultur: Schon immer waren sie ein kommunikatives Medium, welches verschiedenste Botschaften senden konnte und eng verbunden war mit dem vorherrschenden gesellschaftlichen Werte- und Normensystemen. Haare konnten nämlich seit der Frühzeit der Menschheitsgeschichte Aufschluss über Alter, soziale Stellung sowie Zugehörigkeiten zu bestimmten religiösen oder politischen Gruppierungen geben – Beispiele hierfür sind die Tonsur bei Mönchen oder auch der künstliche Zeremonialbart, welcher Pharaonen und angehörigen königlichen Blutes im alten Ägypten vorbehalten war.

 

HAAR UND GESCHLECHTERROLLEN

Aber auch Geschlechterrollen spiegeln sich munter in Frisuren wider und selbst das Haar an sich hat eine unterschiedliche, geschlechtsspezifische Konnotation: Während beim Mann Haar oft mit körperlicher Stärke und Kraft verbunden wird, assoziiert man die Frisur der Frau hingegen meist mit Verführung und Sexualität. Dieses Bedeutungsgerüst machte sich z. B. auch die Emanzipationsbewegung in den 60ern zu Nutze, um mit dem Pixie Cut zu provozieren und zu rebellieren. Ein Kurzhaarschnitt war nämlich lange ausschließlich der männlichen Bevölkerungsgruppe vorbehalten, Frauen mit kurzem Haar waren somit ein Statement für mehr Gleichberechtigung und einen gesellschaftlichen Umbruch.

 

HAAR UND SOZIALER STAND

Doch lange war kurzes Haar (oder auch ein geschorener Kopf) ein Zeichen von Unfreiheit und Unterdrückung. Gefangenen und ebenso Sklaven war es in manchen Epochen der Menschheitsgeschichte nicht erlaubt, ihr Haar wachsen zu lassen. Langhaarfrisuren drückten dementsprechend persönliche Freiheit sowie Würde aus. Im 18. Jahrhundert zur Zeit der französischen Revolution wurde dieser Gegensatz mit Perücken auf die Spitze getrieben: Mit immer kunst- und fantasievolleren Haarkreationen versuchte sich der Adel immer mehr vom ordinären Leben der restlichen Bevölkerung abzuheben und seinen Wohlstand zu präsentieren. Der französischen Königin Marie Antoinette wird in diesem Zusammenhang nachgesagt, in den 16 Jahren ihrer Herrschaft ganze 300.000 Franc Schulden bei ihrem königlichen Perückenmacher Léonard Autié gemacht zu haben.

 

HAAR UND LEBENSEREIGNISSE

Doch nicht nur Opulenz und Wohlstand konnte sich in Frisuren ausdrücken, sondern auch Lebensereignisse. Bis heute ist es ja oftmals so, dass – vor allem frau – nach einem einschneidenden Erlebnis einen neuen Schnitt beim Friseur machen lässt. Doch bereits bei den Azteken verriet eine Frisur, was man im Leben bereits geleistet hatte: Junge Männer dieses Volkes trugen ihr langes Haar nämlich so lange zu einem Pferdeschwanz gebunden, bis sie ihren ersten Kampf hinter sich gebracht hatten. Dann erst hatten sie das Recht dazu, ihr Haar zu einem Dutt zu binden und somit aller Welt zu zeigen, dass sie sich im Kampf erprobt hatten. Frauen der Azteken hingegen trugen ihr langes Haar bis zur Heirat offen, danach flochten sie es zu langen Zöpfen, um so ihren Beziehungsstatus sichtbar werden zu lassen.

 

HAAR UND REBELLION

Wie bereits in dem Abschnitt über Haar und Geschlechterrollen angedeutet, wurden Frisuren auch zu politischen Statements. Eine ganz besondere Bewegung, die ebenfalls das Haar in den Mittelpunkt stellte, war die „Black-Power-Bewegung“ zwischen 1965 und 1985. Der natürlich getragene Afro wurde in diesem Zusammenhang zum Sinnbild der Befreiung von Unterdrückung und erzwungener Assimilation. Während zuvor viele Afroamerikanerinnen und Afroamerikaner zu chemischer Glättung gegriffen habe, zeigten sie sich nun mit ihrer Naturkrause und protestierten hiermit für Gleichberechtigung und Kulturauslebung.

 

Frisuren und Haare im Allgemeinen sind somit eine der ausdrucksstärksten Körpermerkmale, die wir Menschen besitzen. Sie lassen uns vieles sagen ohne, auch nur ein einziges Wort zu benutzen. Sie spiegeln Individualität, Identität und Geschichte, deshalb sollten wir unser Haar auch besonders pflegen und hegen, denn es ist viel mehr als nur lebloses Keratin.

 

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